Gorilla Trekking in Ruanda

Leben der Gorillas

Familienleben im Urwald

Dank langjähriger und penibel ausgearbeiteter Forschung weiß man heute mehr denn je über das Leben der Berggorillas in Ruanda. Ein Leben, das von Hierarchien, Nahrungssuche und einer unglaublich variantenreichen Kommunikation geprägt ist

Gorilla ist nicht gleich Gorilla

Gorillas lassen sich generell in zwei Spezies teilen, die Östlichen und Westlichen Gorillas, diese wiederum in Untergruppen. Die Berggorillas in Ruanda gehört zu den „Östlichen Gorillas“. Weltweit gibt es rund 880 Berggorillas, die sich in zwei Populationen teilen. Die eine lebt in einem Gebiet, das als die Virungas bezeichnet wird. Dazu gehören neben dem bekannten Volcanoes national Park auch der Mgahinga Gorilla Park und der Virunga National Park im Kongo. Die zweite Population von Berggorillas lebt im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda.

Bis zu 4.000 Meter über dem Meeresspiegel liegen die undurchdringlichen Wälder dieses Naturschutzgebiets, meist wolkenverhangen, neblig und kühl. Je höher man kommt, desto lichter wird dieser Urwald. Dieses Reich teilen sich die Berggorillas in Ruanda mit Antilopen, Büffeln, Bergelefanten und Golden Monkeys.

Der Silberrücken – Familienoberhaupt

In jeder Gorilla-Familie gibt es mindestens einen Silberrücken. Diese Männchen sind 12 jahre oder älter und das Fell ihres Rückens hebt sich silbrig-weiß vom restlichen Schwarz ab. Mit einem „Kampfgewicht“ zwischen 180 und 200 Kilogramm sind ausgewachsene Gorillamännchen ein imposanter Anblick! Aufgerichtet, beispielsweise während eines im Brusttrommel-Duels, messen die Tiere rund 1,7 Meter.
Als Chef steht es in der Verantwortung des Silberrückens, seine Gruppe täglich zu futterreichen Plätzen zu führen und für eine strenge Einhaltung der Hierarchie zu sorgen. Als Streitschlichter hat er das letzte Wort und sollten mehrere Silberrücken einer gruppe angehören kann immer nur einer der „Boss“ sein. Die anderen aber unterstützen ihn, verteidigen die Familie gegen Gefahren und Eindringlinge anderer Gorilla-Familien aber auch gegen Menschen, von denen sie sich bedroht fühlen. Weil mehrere Männchen auch mehr Nachwuchs zeugen können, dulden die Alpha-Männchen oft mehr oder auch unfreiwilliger andere Beta-Männchen oder auch geschlechtsreife „Schwarzrücken“ unter ihren Weibchen.

Die Weibchen – Mütter und clevere Strateginnen

Im Gegensatz zu den Männchen sind weibliche Gorillas mit rund 90 Kilogramm Körpergewicht regelrechte Fliegengewichte, für den Beobachter aber dennoch beeindruckende Erscheinungen – auch ohne dem mähnenartigen Haarschopf der Männchen.
Erst mit 10 Jahren sind Berggorilla-Weibchen geschlechtsreif. Wenn nach 8 ½ Monaten der Nachwuchs zur Welt kommt, knüpfen sie eine ähnlich enge Bindung zu ihren Kindern auf wie wir Menschen. Die Gorilla-Weibchen drücken die jungen fest an sich und tragen sie die ersten tage umher, bis die Gorilla-Babys lernen, auf dem Rücken ihrer Mutter zu reiten.
Weibchen stiften aber auch eine gewisse Unsicherheit unter den männlichen Gorillas und sorgen so für den Fortbestand der Sippe. Denn bei der Fortpflanzung kommt nicht ausschließlich das Alpha-Tier zum Zuge. Sollte es einmal zum Eklat kommen wird sich also weder der hochrangige Silberrücken noch ein anderes Männchen trauen, ein Jungtier zu töten. Denn es könnte ja das Eigene sein

Der Nachwuchs – Garantie fürs Überleben

Wie bei den Menschen auch sind die Jungtiere in den ersten Wochen ihren Müttern gegenüber äußerst anhänglich und bedürfen deren Fürsorge. Schon am ersten Tag können sich die Kleinen am Fell der Mutter festkrallen, mit rund 5 Monaten laufen sie selbständig. Fast 2 Jahre lang säugen Gorillamütter ihre Kinder, doch ab 4-6 Monaten erweiter sich der Speiseplan schon um Pflanzen.

Lieblingsspeisen der Berggorillas

Der Speiseplan der Berggorillas ist grün. Doch nicht alles, was in dieses Farbmuster passt, mundet den Feinschmeckern auch. Wilder Sellerie und junge Nesseln, Bambus aber auch einige Distelarten stehen auf dem Speiseplan, wobei auch nur ausgewählte Pflanzenteile von der Hand in den Mund wandern. In den Bergen Ruandas wachsen so gut wie keine Früchte, so dass ein gelegentlich geräuberter Ameisenhaufen oder ein ausgebuddelter Wurm den Speiseplan ergänzen. Sollten einmal ein paar wilde Beeren finden ist das eine wahre Delikatesse! Die Suche nach Futter nimmt einen Großteil des Gorilla-Alltags ein, denn ein ausgewachsener Berggorilla verputzt leicht bis zu 25 Kilogramm Grünzeug – pro Tag!

Schnurren und Zähneblecken

Berggorillas gehen in aller Regel sehr liebevoll und ruhig miteinander um. Ein „böses Wort“ fällt selten, doch wenn, dann ist das Zähnefletschen, Kreischen und Aufeinanderlosgehen beängstigend. Aber nach dem Motto „Hunde die Bellen, beißen nicht“ sind diese Drohgebärden harmlos und der Gemaßregelte akzeptiert die Zeichen sofort. Das drohen ist im Grunde ein geschickter Schachzug im Vermeiden von ernsthaften Kämpfen.
Mimik ist eine wichtige Ausdrucksweise unter den Berggorillas und es ist erstaunlich, wie menschlich diese bisweilen ist. Wenn ein Berggorilla zum Beispiel das Maul aufreißt, beide Zahnreihendabei entblößt, dann bedeutet das „lass mich bloß in Ruhe!“ Die Bandbreite an „Worten“ ist ebenso groß und einer des der schönsten Geräusche ist das so genannte „blecherne Vokalisierung“. Was sich so wissenschaftlich-trocken anmutet ist ein Laut höchster Zufriedenheit; ein tiefes Schnurren, das den kehlen der Berggorillas oft nach einem reichhaltigen Mahl entweicht.